Rezensionen & Hörproben

Das Hausmädchen mit
dem Diamantohrring

Feinstes Bouleward

 

Leichte Kost, ja, aber raffiniert geschrieben, wenn man sich darauf einlässt. Augen zwinkernd, sich selbst sogar verbal hopps-nehmend, das musste ich erst herauslesen. Mit vielen Zitaten (alle schön mit Quellenverweis gelistet), sogar aus Reclam-Büchlein und Anspielungen in die Literatur, den Märchen zumeist, aber vor allem dem Kino. Fast könnte es eine Art “Hot-Shot” von Woody Allen geprintet sein. Nein, kein Hegemannscher Remix, bestimmt nicht.

 

Der Anfang ein irres Auf-den-Kopf-Stellen der Weihnachtszeit von Böll bis hin zum Ende mit Cyrano und Tootsie. Skurille Typen in den Stadtschluchten von Mainhatten mit gedrechselten Dialogen, als ob wirklich ein italienschischer Woody Pate gestanden hätte. Für mich war auf einmal der Inhalt Nebensache. Trivial: Reiche Zicke wird von zu Hause rausgeworfen und verschandelt sich per Maske um eines Jobs willen bei reichem Erben und der Plot tanzt um die alte Leier "Kriegen sie sich?"

 

Aber wie der tanzt. Sogar die albernen Lexika der Jugendsprachen von Pons bekommen ihr Fett weg, die Autorin kannte wohl das Twitterbuch des Verlages noch nicht. ;-).  Ein Boléro, der sich in ein furioses Finale steigert. Eine tote Katze bei einer Hochzeit, vom Pfarrer bepredigt, zusammen mit den abgeschnittenen Haaren des Ehemannes in einem Beutel und die Haare statt Reis über die Braut im 9. Monat gestreut. (Nein, nicht die Hochzeit der Protagonisten) Genial. Wie gesagt, das ist keine Kafka-Literatur, aber feinstes Boulevard. Und das ist selten.

 

Mikel Bower

https://mikelbower.de

 

 

Humor pur

 

»Ähnlich wie Kurt Tucholski in "Schloss Gripsholm" erzählt Ida Casaburi eine scheinbar mit leichter Hand komponierte Geschichte. Die von der Filmkomödie "Tootsie" inspirierten Verkleidungen bzw. Irrungen und Wirrungen der Liebe werden von der Autorin in
"Das Hausmädchen mit dem Diamantohrring" beschwingt und temporeich, einfallsreich und witzig vorangetrieben. Nebenbei spielt sie immer wieder auf Kinofilme an, nicht nur auf "Tootsie", sondern zum Beispiel auch auf "Casablanca", "Der letzte Tango in Paris", "9 1/2 Wochen" und "Das Mädchen mit dem Perlenohrring".
Die Lektüre von "Das Hausmädchen mit dem Diamantohrring" vermittelt gute Laune und ist Unterhaltung vom Feinsten.«

 

Dieter Wunderlich

https://www.dieterwunderlich.de/

 

gelesen von
René Wagner